Unsere Geschichte

Das Gründungsjahr

Am Schützenplatz 1950

Im Jahr 1950 wird das Sportheim an der Nienstedter Str. (Schützenplatz) eingeweiht

Im Nordatlantik versinkt die Titanic, in Egestorf entsteht der FC Germania

1912: Sport ist identisch mit Turnen – Der Fußballsport steckt noch in den Kinderschuhen

Sicher sind das Jahr (1912) und der Wochentag (Mittwoch). Hinsichtlich des exakten Datums gibt es jedoch unterschiedliche Quellen. Während die 1987 herausgegebene Vereinschronik der Turn- und Sportvereinigung Egestorf als Gründungstag den 25. September angibt, geht aus dem Archiv der „Provinzial-Deister-Leine-Zeitung“ (DLZ) hervor, dass die Geburtsstunde des „Fußball-Club Germania von 1912 Egestorf“ wohl genau eine Woche später geschlagen hat. Die „Provinzial-Deister-Leine-Zeitung“ erschien damals jeden Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. In ihrer Ausgabe vom 19. Oktober 1912 schreibt sie unter der Rubrik „Provinz und Nachbarschaft“: „Am 2. Oktober hat sich auch in Egestorf die Jugend zusammengetan, dem Beispiel anderer folgend, einen Fußballklub zu gründen.“ Im weiteren Verlauf des Artikels wird die Problematik deutlich, mit der der Fußballsport im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts zu kämpfen hatte. „Leider stehen hier demselben noch sehr viele junge Leute unsympathisch gegenüber, trotzdem der Fußballsport, wenn in beschränkten Maßen betrieben, doch der gesündeste ist. Es muss aber schließlich durch Mut und Ausdauer doch gelingen, auch die härtesten Gegner zu einer anderen Überzeugung zu bringen.“

Zum Zeitpunkt der Vereinsgründung des FC Germania steckte das 1874 von dem Braunschweiger Lehrer Konrad Koch in Deutschland eingeführte Fußballspiel noch in den Kinderschuhen. Viel länger als im Mutterland England musste es um seine gesellschaftliche Anerkennung ringen, denn bis ins 20. Jahrhundert hinein war die deutsche Leibesertüchtigung und -erziehung gleichbedeutend mit dem seit der Reichsgründung im Jahre 1871 in Schule und Militär fest verankerten Turnen. Sport war im Grunde identisch mit Turnen – und Turnen war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine höchst nationale Angelegenheit. „Englische Krankheit“ lautete nicht von ungefähr eine der Schmähungen, mit denen das Fußballspiel überzogen wurde. Erschwerend hinzu kam die soziale Komponente. Der Fußballsport jener Jahre wurde vorwiegend in bürgerlichen Kreisen ausgeübt und galt als Modesportart des Bürgertums wie von Aufsteigern. Arbeiter verfügten weder über genügend Freizeit noch über finanzielle Mittel für die Ausrüstung. Erst durch die Sozialgesetzgebung der Weimarer Republik (1918 bis 1933) erreichte der Fußball in den 1920er Jahren auch die Arbeiterschichten und wurde damit zum Massensport. Dies verdeutlichen auch die Mitgliederzahlen des im Jahr 1900 gegründeten Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Von etwa 190.000 im Jahr 1914 schnellten sie auf gut 750.000 im Jahre 1921 hoch.

Vor diesem Hintergrund liegt es auf der Hand, dass in den meisten deutschen Sportvereinen, die um die Jahrhundertwende gegründet wurden, der Ball frühestens ab den 1920er Jahren rollte. Nicht so in der Gemeinde Egestorf am Deister, wo sich elf junge Männer an jenem 2. Oktober 1912 vom Turnverein „Gut Heil“ lösten und bereits bei ihrer nächsten Versammlung am 13. Oktober weitere neue Mitglieder begrüßen durften. Aus der am selben Tag vorgenommenen Vorstandswahl ging das erste Führungsgremium des FC Germania hervor, das aus Wilhelm Hußmann (Vorsitzender), August Kanzler (Kassierer), Karl Küßner (Schriftführer) und Ernst Völksen (Gerätewart) bestand. Hinsichtlich der Vereinsfarbe fiel die Wahl auf Gelb-Rot.

1912 – was war das für ein Jahr? Politisch war es durch die wachsende Konfliktsituation geprägt, die zwei Jahre später in den Ersten Weltkrieg münden sollte. Im Mittelpunkt stand der Balkan, auf dem mehrere unter osmanischer Oberhoheit stehende Staaten einen Bund gründeten und – ermutigt durch die Erfolge Italiens im Italienisch-Türkischen Krieg – im Oktober den Ersten Balkankrieg gegen das zerfallende Osmanische Reiche ausriefen. Zahlreiche Artikel der „Provinzial-Deister-Leine-Zeitung“ widmeten sich deshalb der „Balkanfrage“, dem „Balkanwirrwarr“ und schließlich dem „Balkankrieg“.

Das sportlich herausragende Ereignis waren die fünften Olympischen Sommerspiele der Neuzeit, die vom 29. Juni bis zum 27. Juli in der schwedischen Hauptstadt Stockholm ausgetragen wurden. In Kiel feierte die Sportvereinigung Holstein ihre erste und bis heute einzige Deutsche Fußballmeisterschaft.

Und sonst? Legendäre Köpfe (Axel Springer), spätere Diktatoren (Erich Honecker) und verhinderte Monarchen (Otto von Habsburg, ältester Sohn des letzten regierenden Kaisers von Österreich und Ungarn) erblickten 1912 das Licht der Welt.

Überschattet wurden alle Nachrichten jedoch von der Jahrhundertkatastrophe des 14. April, als mit der Titanic das berühmteste aller Schiffe im Nordatlantik versank. Auch in Egestorf ereignete sich abseits des Sports Historisches. Hierzu schreibt die „Provinzial-Deister-Leine-Zeitung“ am 31. Oktober 1912. „Der langgehegte Wunsch unserer Gemeinde, auch kirchlich selbständig zu werden, ist nunmehr in Erfüllung gegangen. Das königliche Konsistorium hatte zum 1. Oktober die gänzliche Abtrennung von Barsinghausen angeordnet…Jahrhundertelang war unsere Gemeinde nach Barsinghausen eingepfarrt, aber Barsinghausen und Nienstedt haben doch eine Einwohnerzahl von über 5.000 und füllten die dortige Kirche allein. Egestorf hatte sich andererseits im Laufe der Zeit derartig vergrößert – es zählt über 2.000 Einwohner -, daß ein Drängen auf Selbständigkeit nur gerechtfertigt war“

Die ersten Jahre

Auf Schusters Rappen zu den Auswärtsspielen

Germania organisiert sich im „Verband der Sportvereine am Deister“ – 1. Weltkrieg stoppt Entwicklung

Am 15. April 1913 berichtete die „Provinzial-Deister-Leine-Zeitung“ (DLZ) erstmals über eine Partie des neuen Fußballklubs. Am Tag zuvor hatte Germania ein „Retourwettspiel“, so das Blatt, mit der zweiten Mannschaft aus Ronnenberg bestritten. Der Artikel ist „hölzern“ geschrieben und enthält bis auf die chronologische Erwähnung der Tore und der Halbzeiten keinerlei Information.

…Punkt 3/4 4 Uhr pfiff der Schiedsrichter und das Spiel wurde begonnen. In der 1. Halbzeit spielten die beiden Parteien 1:1. In der 2. Halbzeit schoß zuerst Ronnenberg das zweite Tor. Kurz darauf konnte auch Egestorf das 2. Tor gewinnen und so war denn das Resultat 2:2.“

Im weiteren Verlauf des Berichtes erfährt der Leser aber dann doch noch interessante Einzelheiten. So zum Beispiel, dass Egestorf das Hinspiel mit sieben Toren verloren hatte und die jetzige Begegnung „viel zu früh aufgehoben wurde.“ Denn acht Minuten vor Schluss beendete Ronnenberg die Partie vorzeitig. Warum, so die DLZ, wusste selbst der Schiedsrichter nicht. Deshalb mutmaßte die Zeitung: „Vielleicht – um kein Tor mehr zu verlieren.“ Das Vereinsleben ist zu dieser Zeit straff organisiert. In seiner 1987 herausgegebenen Chronik „75 Jahre Fußball in Egestorf“ schreibt hierzu der damalige Fußball-Abteilungsleiter, Jürgen Pfütze. „Jeden Montag trifft man sich zur Spielersitzung und einmal im Monat ist Versammlung. Wer zu spät kommt, zahlt 1-, Mark und wer unentschuldigt einem Spiel fernbleibt sogar 3,- Mark.“ Auch die Spielkleidung (längsgestreiftes Trikot in den Vereinsfarben, weiße Hose, rote Stutzen) sowie die „Reisen“ zu den Auswärtsspielen werden von Pfütze thematisiert. „Sie erfolgen mit dem Fahrrad oder noch häufiger zu Fuß. Erst als Ludwig Busse in den Verein eintritt, kann die Mannschaft mit seinem Leiterwagen zu den Nachbarvereinen fahren.“

Wie Germania am 20. Juli 1913 nach Bredenbeck gekommen ist, ob „auf Schusters Rappen“, per Drahtesel oder Leiterwagen, geht aus dem hierzu am 26. Juli veröffentlichten Bericht der DLZ leider nicht hervor. Allerdings war es eine Begegnung, die unter außergewöhnlichen Bedingungen stattfand. „Leider war der Sportplatz dermaßen klein, daß man von einem Tor bequem über das andere hinweg schießen konnte. Auch war er zu schmal, denn sobald man dachte, den Ball vor sich her zu treiben, war er schon über die Grenzlinien. Alles dieses trug zur Verzögerung des Spielens bei, denn durch das viele Einwerfen und Torabstoßen wird sehr viel Zeit unnütz vergeudet.“

Mit welchem Ergebnis die Partie in Bredenbeck endete, erfährt der Leser nicht. Nur den Spielausgang. „Da sich zwei gleiche Gegner gegenüberstanden, musste auf beiden Seiten alles aufgeboten werden, jedoch das Glück war keinem hold; so endete das interessante Spiel nach 90 Minuten unentschieden.“ Fast auf den Tag genau einen Monat später fand in Barsinghausen eine wegweisende Tagung zur Organisation des Spielbetriebs statt. Hierzu schreibt die DLZ in ihrer Ausgabe vom 19. August 1913. „Am Sonntag hatten sich im Gasthaus zur Post zahlreiche Mitglieder der Sportvereine am Deister versammelt, um sich enger zusammenzuschließen. Herr Graurock vom Deister-Sport-Klub, Barsinghausen, leitete die Versammlung…Er wies darauf hin, dass auf der ersten gemeinsamen Versammlung in Eimbeckhausen von allen Seiten der Wunsch nach Zusammenschluss betont sei“. Nach den abgegebenen Beglaubigungsschreiben, so die DLZ, waren 19 Vertreter aus sieben Vereinen erschienen. Neben Germania (2 Vertreter) sowie den Klubs aus Ronnenberg (3) und Lauenau (2) hatten auch der Deister-Sport-Klub Barsinghausen (4 Vertreter), der Jünglingsverein Barsinghausen (3), Teutonia Eimbeckhausen (3) sowie Olympia Rodenberg (2) ihre Repräsentanten geschickt.

Zum Verlauf der Versammlung schreibt die DLZ: „Einstimmig wurde sodann der „Verband der Sportvereine am Deister“ gegründet. Sein Zweck ist die Förderung des Fußballspiels und der Leichtathletik…Der erste Vorsitzende ist Herr Graurock, Barsinghausen. Die auf der Versammlung inhaltlich festgelegten Statuten und Spielregeln sollen von einem Ausschuss noch genauer durchgearbeitet und am 5. Oktober dem Verbandstage in Egestorf vorgelegt werden.“

Der darauf folgende Verbandstag in Egestorf fand an der Gründungsstätte des FC Germania statt: Im Saal des Gastwirts Friedrich Reinecke. Auf der Tagesordnung, so die DLZ in ihrer Ausgabe vom 7. Oktober, stand die Beschlussfassung über die Verbands-Spielordnung. Dass sich der Name des zwölf Jahre zuvor gegründeten Deutschen Fußball-Bundes noch nicht überall etabliert hatte, zeigt die Zeile: „Als Spielregeln gelten die Bestimmungen des Deutschen Fußball-Vereins.“ Hinsichtlich des Spielbetriebes stimmten die Delegierten den Vorschlägen des Spielleiters Fritz Dunsing (Barsinghausen) zu. DLZ: „Danach hat jede Mannschaft eines Vereins ein Frühjahrs- und Herbstwettspiel mit allen entsprechenden Mannschaften der anderen Vereine.“

Nachdem der 1. Verbandstag der Sportvereine am Deister (VSD) um 18 Uhr beendet war, feierte der FC Germania am Abend des 5. Oktober 1913 noch sein erstes Stiftungsfest. Das Rahmenprogramm war vielfältig: Neben Liedervorträgen wurde auch das Volksstück „Die vom Rastauhofe“ aufgeführt. Hierbei konnten die Egestorfer Fußballer auf die Unterstützung der Nachbarschaft zählen. Die DLZ berichtet: „Die Hauptrollen, Rastauhofbauer und Friedel, lagen in den bewährten Händen der Herren Graurock und Dunsing, für die dieselben wie geschaffen waren.“ Fast acht Monate nach diesem geselligen Abend, am 28. Juni 1914, fielen in Sarajewo die tödlichen Schüsse auf den österreichischen Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand. Seine Ermordung löste den Ersten Weltkrieg aus, durch den die verheißungsvolle Entwicklung des Fußballklubs Germania jäh unterbrochen wird. Die gesamte Mannschaft und der größte Teil der übrigen Mitglieder werden eingezogen. Viele kehren nicht zurück. Der Spielbetrieb wird in den Kriegsjahren mit Jugendlichen in Form von Freundschaftsspielen unter den VSD-Vereinen aufrechterhalten.

Plätze und Zeitgeschehen

Von Reinecke’s Wiese über die Nienstedter an die Ammerke

Die Geschichte eines Fußballvereins ist auch immer die Geschichte seiner Spielplätze. Für den Fußball-Club Germania beginnt sie im Gründungsjahr 1912 auf einer Wiese gegenüber dem Bahnhofshotel. Sie gehört dem Gastwirt Friedrich Reinecke, dessen Haus für Jahrzehnte zum Vereinslokal wird. Dennoch sperrt er in den 20er Jahre seine Wiese für den Fußballbetrieb, so dass den Egestorfer Kickern von heute auf morgen kein geeigneter Sportplatz mehr zur Verfügung steht.

Bereits damals nehmen sie das Gelände des Schützenplatzes an der Nienstedter Straße ins Visier, doch die Gemeinde lehnt den Antrag, die Fläche zum Fußballspielen freizugeben, ab. So müssen sich die Fußballer an jedem Sonntag eine neue Wiese suchen: an der Ammerke, an der Rehre, auf dem Hartloh oder auf der Blankweide. Mancher Landwirt ist froh, wenn seine Wiese einmal richtig festgetreten wird. Aber bei der nächsten Anfrage bleibt seine Zusage meistens aus.

Das Osterfest 1925 bringt – vorerst – die Wende. Hertha BSC gastiert in der kleinen Gemeinde am Deister und beschert dem örtlichen Fußballklub die ersten nennenswerten Einnahmen aus Eintrittsgeldern. Der Wunsch nach einem eigenen Sportplatz kann nun erfüllt werden. Hermann Meyer, der Wirt des Bahnhofshotels, pachtet von Wilhelm Laue ein Gelände unterhalb der Bahn auf der Blankweide und stellt es dem Verein für jährlich 260 Mark zur Verfügung. Die Pacht ermäßigt sich nach einem Jahr auf 220 Mark. Nun haben die Fußballer nach vielen Jahren endlich ein „Zuhause“. Die gute Erfahrung mit der Verpflichtung eines renommierten Gegners ermuntert Germania zu weiteren Spielabschlüssen. Ostern 1926 reist eine Mannschaft des Hamburger SV nach Egestorf.

Doch abermals ist das „Platzglück“ nicht von längerer Dauer. In den 30er Jahren pflügt der Eigentümer des Sportplatzgeländes das Grundstück noch vor Ablauf des Pachtvertrages von heute auf morgen um. Der FC Germania zieht vor Gericht, bekommt jedoch kein Recht. Als neuer Platz dient in der ersten Not ein Gelände am Kirchdorfer Pfahl, aber der leidige Zustand, an jedem Sonntag eine Spielmöglichkeit suchen zu müssen, beginnt bald von neuem. Nun endlich gibt die Gemeinde die Erlaubnis zum Ausbau des Schützenplatzes an der Nienstedter Straße. Damit verfügt der FC Germania zum ersten Mal über einen Sportplatz, bei dem er nicht vom guten Willen einiger Privatleute abhängig ist. Für über fünf Jahrzehnte wird die „Nienstedter“ zur Heimat der Egestorfer Fußballer. Der Spielbetrieb kann trotz des 1939 ausgebrochenen Zweiten Weltkrieges bis in den Winter 1943/44 aufrechterhalten werden

Am 8. Mai 1945 endet mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht der Krieg. Das Land wird von den Siegermächten in vier Besatzungszonen eingeteilt. Egestorf liegt in der britischen. Alle Vereine werden von der Militärregierung aufgelöst. Doch schon im Herbst 1945 bekommen die Sportler die Erlaubnis, unter bestimmten Voraussetzungen in jeder Gemeinde einen Sportverein neu zu gründen. Am 7. Oktober 1945 wird die Turn- und Sportvereinigung Egestorf aus der Taufe gehoben. In ihr vereinigen sich alle ehemaligen Sportvereine des Ortes. Aus Germania wird die TSV Egestorf.

Am 24. Februar 1946 findet das erste Spiel gegen Benthe statt. Es endet verheißungsvoll – die Kicker in den gelb-weiß-roten Farben gewinnen mit 6:0. 1948 rückt Hermann Dreier, der bei Germania im Jahr 1920 den Vereinsvorsitz von Wilhelm Hußmann übernommen und den Verein bis auf wenige Unterbrechungen bis 1945 geführt hatte, an die Spitze der Turn-und Sportvereinigung. Der 12. August 1950 ist für ihn und alle Egestorfer Sportler ein großer Tag: Auf dem Sportplatz an der Nienstedter Straße wird das Sportheim eingeweiht (siehe DLZ-Bericht…) Das nach den Entwürfen des Architekten Wende gebaute Haus enthält außer einem Aufenthaltsraum Umkleide- und Waschgelegenheiten sowie Toilettenanlagen. In seiner Rede rief Dreier, so die DLZ, „den noch abseits stehenden Jungen und Mädeln zu, sich dem Verein anzuschließen, damit auch sie ihren Körper ertüchtigen und stählen und somit zur Gesunderhaltung unseres Volkes beizutragen.“

Alle Egestorfer Mannschaften messen an diesem Tag ihre Kräfte mit dem TSV Barsinghausen. Die Knaben (2:1), die A-Junioren (5:3) und die Alten Herren (5:3) behalten in ihren Duellen mit dem Nachbarn die Oberhand. Im Spiel der beiden ersten Mannschaften trotzen die Egestorfer dem klassenhöheren TSV ein Unentschieden ab (3:3).

1968 endet die Selbstständigkeit von Egestorf. Gemeinsam mit Kirchdorf wird die Gemeinde mit Barsinghausen zusammengeschlossen. In der Folge müssen viele nun doppelt vorhandene Straßennamen geändert werden. So wird aus der Bahnhofstraße in Egestorf die Wennigser Straße. 1969 erhält Barsinghausen die Stadtrechte – seitdem ist Egestorf von der Einwohnerzahl her der zweitgrößte von heute 18 Stadtteilen.

Die Einwohnerzahl hat sich seitdem mehr als verdoppelt. Von 4.000 Menschen im Jahr 1966 ist sie über 7.989 (1994) sowie 8.020 (2002) auf fast 9.000 im Jubiläumsjahr 2012 gestiegen. Eine Entwicklung, die sich natürlich auch in der Turn- und Sportvereinigung widerspiegelt. Bereits Anfang der 80er Jahre war sie zu einem Großverein geworden. Die Vorstandsmitglieder suchten deshalb nach Lösungen, um ein Sportgelände zu erstellen, das den Anforderungen des Vereins mit seinen inzwischen vielen Abteilungen gerecht wird.

Fündig wurden sie an der Ammerke, wo im Mai 1981 mit dem Bau einer Anlage begonnen wurde. Am 11. Mai 1983 erfolgte die offizielle Übergabe des A-Platzes und der leichtathletischen Anlagen. Vorgenommen wird sie von einem Mann, der sowohl im gut vier Kilometer nordöstlich gelegenen Langreder als auch in Egestorf Fußball spielte und später zum Architekten des 1. FC Germania werden sollte: Karl Rothmund, damals Bürgermeister der Stadt Barsinghausen. Den symbolischen Schlüssel überreichte er seinem Tennisfreund Dr. Wolf-Kersten Baumann, der wenige Wochen zuvor die Geschicke der Turn- und Sportvereinigung von Fritz Götze übernommen hatte.

Am 31. August 1983, dem 40.Geburtstag von Karl Rothmund, tragen die Fußballer ihre ersten Spiele auf dem neuen Sportplatz aus. Die Alte Herren spielt gegen eine Traditionsmannschaft von Hannover 96 und die 1. Herren gegen den TSV Barsinghausen. Hans Sobeck erzielt das erste Egestorfer Tor auf der neuen Anlage. Wenn auch auf dem alten Sportplatz noch bis zum Frühjahr gelegentlich ein Spiel ausgetragen wird, so bedeutet dieses Datum für Egestorfs Fußballer doch einen Einschnitt. 50 Jahre waren sie auf dem Platz an der Nienstedter Straße zu Hause, Generationen von ihnen sind an dieser Stätte groß geworden.

Zu Beginn der Spielzeit 1984/85 ist auch der B-Platz bespielbar. Die nunmehr entstandenen guten Spiel- und Trainingsmöglichkeiten werden durch die Einweihung des Sportheimes (31. Mai 1986) mit seinen Umkleideräumen und Duschen sowie der Inbetriebnahme der Fluchtlichtanlage (26. September 1986) nahezu vervollständigt. Was aber fehlt ist eine Tribüne – diese sollte erst 26 Jahre später nach dem Aufstieg des 1. FC Germania Langreder/Egestorf in die Oberliga Niedersachsen entstehen.

Quellen: Jürgen Pfütze, wikipedia, DLZ

Die Blütezeit

Trotz Sturm und Regen: Ein Ort feiert seine Helden

1955: Egestorf wird ungeschlagen Staffelmeister – Platz zwei in der Aufstiegsrunde reicht

Der Katzenjammer über den „Last-Minute-K.o.“ im Entscheidungsspiel gegen Bennigsen hielt bei den Egestorfer Fußballern nicht lange an. In der darauf folgenden Spielzeit dominierten sie die Bezirksklasse Staffel 1 nach Belieben und sicherten sich mit einem 6:0-Erfolg über Exten bereits drei Spieltage vor Schluss die Staffelmeisterschaft. Am Ende der Serie wiesen die Gelb-Weiß-Roten aus 26 Spielen eine Bilanz von 19 Siegen und sieben Unentschieden auf. Damit beenden sie ohne Niederlage die Saison – eine wahre Meisterleistung. Dies findet auch die DLZ und lehnt sich weit aus dem Fenster:

„In allen Spielen einer Serie ungeschlagen – das ist, soweit festzustellen war, bislang einmal im westdeutschen Fußball!“

Dieser Satz stammt aus dem Artikel von 26. April 1955, in dem Zeitung unter der Überschrift „Triumphaler Einzug im Heimatort“ über die Feierlichkeiten berichtet, die im Anschluss an das letzte Saisonspiel einsetzten. Weiter schreibt die Heimatzeitung:

„Das Spiel in Hameln war kaum beendet, da war auch schon das Ergebnis wie ein Lauffeuer in der Gemeinde herum. Trotz des stürmischen, kalten und regnerischen Wetters hatten sich Hunderte von Menschen an der „Bärenhöhle“ oberhalb Egestorf eingefunden, um „ihrer“ Mannschaft einen festlichen Empfang zu bereiten…Dann war es soweit: Hinter einer langen Wagenkolonne kam endlich der Omnibus mir der siegreichen Egestorfer Elf in Sicht.“

Den folgenden Marsch durch den Ort schildet die DLZ wie folgt:

„Und dann ging es unter den Klängen der Feuerwehrkapelle, voran das alte Vereinsbanner von „Germania“, in einem Triumphzug durch die Ortschaft, die Nienstedter Straße hinunter, durch die Poststraße und die Stoppstraße entlang über „Lutherlinde“ zum Vereinslokal, dem Deutschen Haus. Ein viele Meter langer Festzug folgte den „Egestorfer Fußballjungens“, immer mehr Menschen hatten sich angeschlossen, aus allen Häusern blickten frohgestimmte Leute – das „Fußballfieber hatte den ganzen Ort ergriffen.“

Am Abend kam die Mannschaft im geschlossenen Kreis wieder im „Deutschen Haus“ zusammen. Gemeinsam mit ihren Angehörigen und dem Vereinsvorsitzenden Heinrich Benne, der 1953 Hermann Dreier abgelöst hatte, verfolgten die Spieler die Sportsendung des Nordwestdeutschen Rundfunks (Vorläufer von NDR und WDR), in der um 22.35 Uhr ausführlich über die Leistungen der Egestorfer berichtet wurden. Dabei stellte der Sprecher heraus, dass die souveräne Meisterschaft ohne eine einzige Hinausstellung errungen worden sei.

Am Ziel ihrer Träume waren die Gelb-Weiß-Roten allerdings noch nicht. Sie mussten sich einer Aufstiegsrunde mit den Meistern der Staffeln zwei (Jahn Lindhorst) und drei (Fortuna Hannover) stellen, in der die beiden ersten Teams sich für die Amateurliga qualifizierten. Bei herrlichem Frühlingswetter startete die TSVg am 8. Mai 1955 denkbar schlecht. Gegen Lindhorst setzte es eine 1:2-Niederlage (Tor Goy). Die DLZ bilanzierte: „Bei den Egestorfern wollte diesmal nichts klappen, zudem nachte sich das Fehlen des ML Heinemann sehr bemerkbar.“

Am 22. Mai kam es an der Hebbelstraße in Hannover zum Duell der Verlierer. Denn auch die gastgebende Fortuna hatte zuvor ihr Spiel gegen Lindhorst verloren (0:1). Vor 1.000 Zuschauern entschied ein Doppelschlag in der 36. und 38. Minute die Partie zugunsten der Landeshauptstädter, die am Ende mit 4:1 die Nase vorn hatten. Durch die zweite Niederlage in Folge standen die Egestorfer nun mit dem Rücken zur Wand – ein Sieg im Rückspiel in Lindhorst war Pflicht. Und tatsächlich sollten die dann folgenden 90 Minuten für die Gäste zur Kür werden. „Das war die Pfingstsensation“, titelte die DLZ nach dem 4:2-Erfolg und schrieb:

„Die Egestorfer waren gegenüber den letzten Spielen nicht wiederzuerkennen. Die Mannschaft zeichnete sich durch hervorragenden Kampfgeist und große Schnelligkeit aus. Ein großer Lichtblick war das Debüt des jungen HR Alten, der sich gut einführte. Außerdem war an dem Sieg besonders RA Wagener und Torwart Franz Jühlke beteiligt.“

Die TSVg hatte ihre letzte Chance gewahrt, musste jetzt aber zunächst einmal das Spiel Fortuna gegen Lindhorst abwarten. Hannover führte 2:0, doch Lindhorst kam noch zum Ausgleich und sicherte sich mit dem Remis den Aufstieg in die Amateurliga. Hinsichtlich des Rennens um Platz zwei war nunmehr vor der Abschlussbegegnung die Ausgangslage klar: Fortuna reichte ein Unentschieden, die gastgebenden Egestorfer mussten gewinnen.

Bei echtem „Fritz-Walter-Wetter“ wurde die Nienstedter Straße am 12. Juni zur Pilgerstätte. Die DLZ schreibt:

„Am Sonntag gab es in Egestorf nur ein Thema: „Fußball“ und nochmals „Fußball“! So hatte sich dann wiederum eine große Menge Schaulustiger eingefunden, die zu Fuß oder auch vielfach motorisiert kamen, das Rasenfeld umsäumten und den Aktiven – insbesondere den Egestorfern – den nötigen Rückhalt gaben.“

Bereuen mussten sie ihr Kommen nicht, denn schon nach wenigen Sekunden stand es 1:0. DLZ: „Ein Durchbruch der Platzherren konnte nicht aufgehalten werden, der linke Verteidiger schlug über den Ball. HR Alten war zur Stelle und sandte unhaltbar ein.“

In der Folgezeit litt das Spiel unter dem immer stärker werdenden Regen, der, so die DLZ, „eine genaue Ballkontrolle unmöglich machte.“ Der Egestorfer Anhang wurde in der 78. Minute erlöst, als Linksaußen Siegfried Nimtz „nach geschicktem Flankenlauf den Torwart mit einem Schuß aus spitzem Winkel überwand.“

Dabei blieb es, im zweiten Anlauf hatte die Turn- und Sportvereinigung über den Umweg Aufstiegsrunde den Sprung in die Amateurliga und damit die dritthöchste deutsche Spielklasse geschafft.

Die DLZ bilanzierte über das Fortuna-Spiel:

„Die TSVg hat auf Grund der kämpferischen Leistungen, der druckvolleren Aktionen verdient gewonnen, wobei dem „Durchbeißer“ Goy eine besondere Anerkennung auszusprechen ist; nach ihm sind noch der wieder eingesetzte Heinemann und Torhüter Jühlke zu nennen.“

Fußball in Langreder

Königstransfer Tutundjiev

Fußballer stehen zunächst in Konkurrenz zum Handball – TSV L marschiert in sieben Jahren von der 2. Kreisklasse in die Bezirksliga – Karl Rothmund Mentor und Macher

Die Geschichte des organisierten Fußballsports in Langreder begann 37 Jahre später als die in Egestorf. Am 2. November 1949 hob der „Turn- und Sportverein“ (TSV) eine Fußballsparte aus der Taufe, die im Juli 1950 den Spielbetrieb aufnahm. Standen die Egestorfer Kicker 1912 im Schatten der zu dieser Zeit übermächtigen Turnbewegung (siehe Seite…), so dominierte im Langreder der Nachkriegsjahre der Handballsport. Insofern war die Gründung einer Fußballsparte in dem kleinen Ort nicht unumstritten. Dies verdeutlicht ein Zeitungsartikel der DLZ vom 27. Juli 1950.

„Wenn auch im Augenblick die Frage, ob Hand- oder Fußball in der Zukunft gespielt werden soll, die Gemüter etwas erregte, so werden sich aber alle der alten Tradition bewusst werden und persönliche Interessen zurückstellen.“

Anlass für die Berichterstattung waren die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zum 40-jährigen Vereinsjubiläum des TSV, der 1910 als Turnverein „Gut Heil“ gegründet worden war. Aus demselben Grund vergab der NFV-Kreisspielausschuss zwei Pokalspiele nach Langreder. Am 13. August sollte es dort unter anderem zur der Austragung der Partie Bantorf gegen Holtensen kommen. Da Holtensen aber nicht anreiste, kam es zum Schulterschluss zwischen Handball und Fußball. Hierfür fand die DLZ lobende Worte, auch wenn sie die Spielstärke der Fußballer als nicht besonders hoch einstufte:

Holtensen glänzte leider durch Abwesenheit. Um die Zuschauer nicht ganz zu enttäuschen, stellte sich Langreder Erste Herren Zur Verfügung. Da aber einige Spieler auf Reisen waren, sprangen die Sportkameraden der ersten Handballmannschaft mit ein. Ein schönes Beispiel echter Kameradschaft. Diese Zusammenarbeit ist besonders erfreulich, da ein Sieg für Langreder von vornherein aussichtslos war.“

Der Fußball in Langreder spielte sich zumeist in den Niederungen der Kreisebene ab. Sowohl in den 60er als auch in der 70er Jahren wurde die 1. Herrenmannschaft zweitweise vom Spielbetrieb abgemeldet. Die Zäsur erfolgte ab 1990 und trägt einen Namen: Karl Rothmund. In diesem Jahr wurde der 1943 in Langreder geborene Diplom-Kaufmann, der seinem Heimatverein zuvor als Spieler und Spartenleiter gedient hatte, Verwaltungsdirektor des Niedersächsischen Fußballverbandes. Bei seinem Amtsantritt ist „Sponsoring“ zwar kein Fremdwort mehr, doch erst unter dem zwei Jahre zuvor gewählten Präsidenten Engelbert Nelle hatte der Fußballverband damit begonnen, diese Geldquelle zu erschließen. Mit Rothmund, dem Manager aus der Industrie und begnadeten Netzwerker, kommt sie nun richtig zum Sprudeln.

Von dem perfekten Beziehungsmanagement profitiert auch der TSV Langreder, der zu Beginn der 1990er Jahre in der 2. Kreisklasse kickt. Ohne jemals wieder ein Amt zu übernehmen, wird Rothmund zum Autor und Mentor einer für die Region Hannover beispiellosen Erfolgsgeschichte. Mit Weitsicht, wie sie zum Beispiel 2001 in der Gründung des 1. FC Germania Egestorf/Langreder zum Ausdruck kommt, und einer vorzüglichen Personalpolitik avanciert der TSV L zur Fußball-Größe. Zunächst im Kreis, dann im Bezirk. Nicht zuletzt, weil sein Macher Karl Rothmund auch eines besitzt: Den Blick fürs Machbare. Seine Philosophie lautet: „Geld wird nicht gezahlt.“ Stattdessen gibt der Verein jungen Fußballern Beratung sowie Hilfestellung bei beruflicher Orientierung oder der Suche nach Wohnungen.

Der erste Aufstieg erfolgt 1992. Zwar verliert Langreder am letzten Spieltag vor 300 Zuschauern an der heimischen Halben Straße das Titelduell gegen den direkten Konkurrenten SV Steinkrug mit 2:3, doch als Vizemeister gelingt der Sprung in die 1. Kreisklasse. Für einen Spieler ist es ein ganz besonderer Moment: Walter Sonneberger. Denn der damals 40jährige verabschiedet sich erneut mit einem Aufstieg. Bereits 1979 hatte der „Flügelflitzer“ zur Meistermannschaft gehört, die unter Trainer Dieter Katz die Staffelmeisterschaft der 2. Kreisklasse errungen hatte – dem bis dahin größten Erfolg in der Geschichte der Fußballsparte. Der Titelgewinn erfolgt souverän, denn am Ende liegt die Katz-Truppe mit neun Zählern vorne – in Zeiten der Zwei-Punkte-Regelung ein bemerkenswerter Vorsprung. Bemerkenswert ist auch, dass die Mannschaft gleich eine Klasse überspringt und der Kreisliga zugeordnet wird!

13 Jahre später muss Langreder auf dem Weg in die Kreisliga erst einmal die 1. Kreisklasse „wuppen“.  Nach dem fünften Tabellenplatz in der ersten Saison meldet der Verein im Sommer 1993 fünf Neuzugänge. Darunter zwei Spieler, die in die Vereinsannalen eingehen werden: Vom TSV Wennigsen kommt der damals 28-jährige Abwehrrecke Volker Mau und vom FC Rosche (Landkreis Uelzen) Georgi Tutundjiev. Der frühere bulgarische Jugend-Nationalspieler, zum Zeitpunkt des Wechsels 29 Jahre alt, wird zum „Königstransfer“ und gilt für viele als der beste Spieler, der jemals das Trikot des TSV Langreder getragen hat.

Mit Mau als Stabilisator in der Abwehr, dem laufstarken Jens Rothmund im Mittelfeld und dem Offensivvirtuosen Tutundjiev dominiert der TSV L das Feld nach Belieben und sichert sich 1994 vorzeitig die Meisterschaft der 1. Kreisklasse und damit das Kreisliga-Ticket. In die folgende Spielzeit geht Langreder als Titelfavorit, doch das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer Bernd Bleinroth hat Risse bekommen. Im Dezember teilt die Spartenleitung ihrem Coach mit, dass der noch bis Juni 1995 geltende Vertrag nicht verlängert wird. Daraufhin legt Bleinroth, unter dem die Aufstiege 1992 und 1994 bewerkstelligt wurden, sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder.

In der Rückrunde schwingt Peter Nixdorf das Zepter, hinter Völksen und Gehrden wird Langreder Dritter. Zur Saison 1995/96 tritt eine weitere spätere Vereinslegende ihren Dienst an: Erich Kanapin. Der ehemalige Spieler von Hannovers Meistercoach Helmut „Fiffi“ Kronsbein wird zum Vater der Meisterschaften 1997 (Kreisliga) und 1999 (Bezirksklasse), durch die der Verein in der Bezirksliga ankommt. „Er war der beste Trainer, den wir in Langreder je hatten“, betont Karl Rothmund auch heute noch die Wichtigkeit Kanapins für die Entwicklung des örtlichen Fußballs.

Die Titelgewinne 1997 und 1999 sind zugleich untrennbar verbunden mit Helge Kristeleit und Tomasz Zelazinski, die beide 1996 an die Halbe Straße wechselten. Zelazinski wurde zum Torjäger der Mannschaft, Kristeleit zu ihrem „Herz“.

Die Fusion und der Aufstieg in die Landesliga

Wunschkandidat Erwin Struß wird erster Präsident

16. März 2001: Fußballsparten aus Egestorf und Langreder schließen sich zum 1. FC Germania zusammen –TSV E und TSV L erzielen im letzten Punktspiel jeweils ein 3:3 – 2003: Bernd Dierßen führt den FC in die Landesliga

Am Montag, den 19. März 2001, machte die Deister-Leine-Zeitung auf ihrem Titelblatt mit vier Sportthemen auf. Neben Michael Schumacher, der den Großen Preis von Malaysia gewonnen hatte, sowie aktuellen Meldungen aus der 1. Bundesliga („Kaiserslautern 2:1 in Bremen) und vom Skispringen („Schmitt gewinnt Skiflug-Weltcup“) war es eine Nachricht aus der Rubrik Lokalsport, die den Sprung auf Seite 1 schaffte. „FC Germania startet am 1. Juli“, lautete die Überschrift zu einem Foto, auf dem vier Männer vor der originalen Germania-Fahne aus dem Jahre 1914 stehen. Es sind der Präsident Erwin Struß sowie die Vizepräsidenten Wolfgang Fedderke, Lothar Lürsen und Bernd Reichert.

Drei Tage zuvor, am 16. März, hatten rund 70 Mitglieder den ersten reinen Fußballverein in der Geschichte der Stadt Barsinghausen ins Leben gerufen. Sein Name: 1. FC Germania Egestorf/Langreder. Unisono sprachen die Präsidenten der beiden Muttervereine, Dr. Wolf-Kersten Baumann (TSV Egestorf) und Bernd-Otto Kossatz (TSV Langreder), von einem „historischen Tag“.

Zu den Ehrengästen, die vom stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Barsinghausen, Reinhard Zech, angeführt wurden, zählte natürlich auch Karl Rothmund. Der damalige Verwaltungsdirektor und spätere Präsident des Niedersächsischen Fußballverbandes ist der Architekt der Fusion der beiden Fußballsparten. Angesichts der demografischen Entwicklung, die damals noch nicht in aller Munde war, erkannte er früh die Zeichen der Zeit, sportliche Stärke (Langreder) und Substanz im Nachwuchsbereich (Egestorf) zusammenzuführen. Denn zum Zeitpunkt der Vereinsgründung des 1. FC Germania verfügte der TSV aus dem kleinen Langreder nur noch über zwei Nachwuchsmannschaften, während die Turn- und Sportvereinigung aus dem zweitgrößten Barsinghäuser Stadtteil in allen Jugend-Altersklassen mehrfach besetzt war. Doch eben immer wieder ihre größten Talente verlor, da die Perspektive im Herrenbereich fehlte. Denn Egestorf konnte nie wieder an die Blütezeit der 50er Jahre anknüpfen und pendelte zumeist zwischen Kreisliga und Kreisklasse hin und her.

Zum ersten Präsidenten des neuen Vereins wurde der damals 65-jährige Egestorfer Geschäftsmann Erwin Struß gewählt. Bis zur A-Jugend hatte Struß einst selbst für die Turn- und Sportvereinigung die Stiefel geschnürt, war später jahrzehntelanges Mitglied in der Tennisabteilung und erwarb sich viele Sympathien als Förderer des örtlichen Frauenfußballs. Da er aber auch zu den Gönnern des TSV Langreder zählte, genoss Struß in beiden Lagern den Status des Wunschkandidaten.

Zum 1. Juli 2001 nahm der 1. FC Germania den Spielbetrieb auf. Bemerkenswert ist, dass im Bereich der  ersten Herrenmannschaften beide Vorgängervereine ihr letztes Punktspiel 3:3 bestritten. Am 10. Juni erzielte Helge Kristeleit alle Treffer des Bezirksligisten TSV Langreder gegen TuS Syke. Zeitgleich markierten Peter Rasche (42. Minute), Andreas Nicolai (45.) und Tony Schröter (83.) in Goltern die letzten Pflichtspieltreffer in der Fußballgeschichte der Turn- und Sportvereinigung Egestorf (damals Kreisliga).

Zwei Jahre später wurde in beiden Barsinghäuser Ortsteilen, die vier Kilometer auseinander liegen, gejubelt: In der „Hitzeschlacht von Landesbergen“ sicherte sich der 1. FC Germania am letzten Spieltag der Saison 2002/03 die Vizemeisterschaft in der Bezirksliga und stieg in die höchste Spielklasse des NFV-Bezirks Hannover, die Landesliga, auf. Den entscheidenden Treffer zum 2:2-Ausgleich erzielte Tomasz Zelazinski wenige Minuten vor Schluss auf Vorlage von Helge Kristeleit. Vater des Erfolgs war der frühere Bundesligaprofi Bernd Dierßen (140 Erstligaspiele für Hannover 96 und Schalke 04), der im Sommer 2002 das Traineramt von Georgi Tutundjiev übernommen hatte.

Das am 16. März 2001 gewählte 1. Führungsmannschaft des 1. FC Germania Egestorf/Langreder

Präsident: Erwin Struß. Vizepräsidenten: Lothar Lürsen (Finanzen), Wolfgang Fedderke (Herren-Spielbetrieb), Bernd Reichert (Jugend/Frauen). Manager: Erich Kanapin. Geschäftsführerinnen: Birgit Raum, Ramona Strasen. Als Obmänner wurden bestellt: Horst Arlt (Öffentlichkeitsarbeit und Marketing), Manfred Dreyer (Schiedsrichterwesen), Frank Hoffmann (Jugend), Peter Rasche (Frauen), Lothar Raum (Spielbetrieb), Walter Sonneberger (Freizeitsport). Ferner gehören dem Gesamtvorstand die Vorsitzenden der Stammvereine (Dr. Wolf-Kersten Baumann, Bernd-Otto Kossatz) sowie die Sprecher der Förderkreise (Dieter Pohl/Egestorf und Heinz Büsing/Langreder) an.

Aufstiege in die Ober- und Regionalliga

Die letzten fünf Jahre

In der Saison 2011/2012 steigt der 1.FC Germania erstmals in die Oberliga Niedersachsen auf. Vier Jahre später erfolgt der Aufstieg in die Regionalliga Nord.

Ein ausführliches Kapitel zu den beiden Aufstiegen befindet sich derzeit in Arbeit und folgt demnächst.